Forschungswissen

Normaler Schmerz oder neuroplastischer Schmerz

Was ist der Unterschied zwischen ’normalen Schmerz‘ und neuroplastischem Schmerz? Warum ist neuroplastischer Schmerz im Gegensatz zu normalem Schmerz ein schlechterer Schmerz – und wie du herausfindest, ob vielleicht auch du neuroplastischen Schmerz hast. Außerdem: welche Heilung gibt es bei neuroplastischem Schmerz?

Unterschied zwischen normalem Schmerz und neuroplastischem Schmerz

Normalerweise ist Schmerz ein wichtiges und wertvolles Signal für uns: es gibt uns eine Art Warnsignal, das uns hilft, unseren Körper zu schützen. Fassen wir beispielsweise auf die heiße Herdplatte, bekommen wir über den Schmerz die Information, dass dies nicht so gut für uns ist, und wir ziehen automatisch die Hand zurück. Der Schmerz hat uns also eine wichtige Information gegeben (Achtung: Hitze macht die Haut kaputt) und wir folgen der Warnung und schützen so unseren Körper vor Verbrennungen.

Neuroplastischer Schmerz auf der anderen Seite ist eben kein wichtiges und wertvolles Signal mehr – es ist schlichtweg ein Fehler, eine Missinterpretation unseres Gehirns. Das Gehirn interpretiert normale Signale als gefährliche Signale und generiert so Schmerz. Wir spüren also Schmerzen, obwohl es keinen Schaden an unserem Körper gibt.

Guter Schmerz, schlechter Schmerz?

Wir sehen also: während der normale Schmerz durchaus eine sinnvolle Daseinsberechtigung hat (also eigentlich ein guter Schmerz ist, da er uns schützt), ist es beim neuroplastischen Schmerz nicht so: der neuroplastische Schmerz hat keine sinnvolle Botschaft für uns und ist daher nicht hilfreich. Im Gegenteil: je geübter unser Gehirn darin wird, neuroplastischen Schmerz zu generieren, desto mehr Schmerzen spüren wird und desto schlechter kommen wir aus der chronischen Schmerzspirale raus.

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Was ist die Ursache von neuroplastischem Schmerz?

Wie kommt es eigentlich dazu, dass unser Gehirn plötzlich normale Signale fehlinterpretiert und hieraus Schmerzen generiert? Welche Ursache steckt dahinter? Die Ursache, die sich hinter neuroplastischem Schmerz versteckt, ist eigentlich ganz simpel: Angst. Oder auch Panik. Oder aber Furcht. Oder aber Stress! Denn, für das Gehirn ist alles das gleiche: Angst, Furcht, Stress sorgt im Gehirn für eine Fehlinterpretation und die Auslösung von chronischen Schmerzen, ohne dass es hierfür wirklich körperliche Ursachen gibt. Mehr zu Angst und Schmerz gibt es hier: XXXXX

Wie kannst du deinen Schmerz unterscheiden?

Wie kannst nun du herausfinden, ob du statt normalen Schmerzen mit wirklicher körperlicher Ursache vielleicht eher auch neuroplastischen Schmerz hast?

Warum will ich es unterscheiden?

Die Unterscheidung ist dahingehend so wichtig, weil zwei komplett unterschiedliche Maßnahmen angewendet werden, um die neu unterschiedlichen Arten von Schmerzen anzugehen. Daher ist es für dich so wichtig zu wissen, mit welchem Schmerz du gerade konfrontiert wirst, um dann deine Maßnahmen gezielt auswählen zu können.

Wie kann ich es herausfinden?

Es gibt eine Reihe von Fakten, die man abprüfen kann. Man kann nie nur anhand der aufgelisteten Fakten unten mit Bestimmtheit sagen, dass es ganz sicher, zu 100% neuroplatischer Schmerz ist! Aber es gibt eine gewisse Tendenz und kann dir helfen, einfach mal einen anderen Denkansatz nachzugehen im Kampf gegen deinen chronischen Schmerz. Wenn du ganz auf Nummer sicher gehen möchtest, solltest du einen Spezialisten für neuroplastischen Schmerz zu Rate ziehen.

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Hier also die Fakten, die eine gute Tendenz geben, dass es sich bei den Schmerzen um neuroplastische Schmerzen handelt:

  • Kamen die Schmerzen zum ersten mal zu einer stressigen Zeit in dein Leben?
  • Hast du immer wieder unterschiedliche Symptome, auch in unterschiedlichen Körperteilen?
  • Denkst du viel oder sehr viel (die meiste Zeit) über deine Schmerzen nach?
  • Gab es durch bisherige Behandlungen immer nur zeitweilige Besserungen oder sogar keine Besserungen?
  • Kommens die Schmerzen immer in einer unterschiedlichen Intensität und gibt es Unterschiede wo und wann die Schmerzen auftreten?

Vielleicht noch als Hinweis: neuroplastischer Schmerz ist bei chronischen Schmerzerkrankungen viel viel häufiger als wirklicher Schmerz mit körperlicher Ursache. In einer Studie zu Rückenschmerzen (die in Fachkreisen sehr bekannte Boulder Back Plan Study) gab es bei 50 Teilnehmer keinen einzigen, der wirkliche körperliche Ursachen (also strukturelle Schäden) hatte – alle Teilnehmer hatten ausnahmslos neuroplastischen Schmerz, auch wenn fast alle Teilnehmer felsenfest davon überzeugt waren, eine körperliche Ursache für ihre Schmerzen zu haben (Bandscheibenvorfall, klar erkennbare Stauungen auf dem Röntgenbild, etc.). Das zeigt einem ganz gut, wie wahrscheinlich es ist, bei chronischen Schmerzen selbst an neuroplastischem Schmerz zu leiden.

Was hilft gegen neuroplastischen Schmerz?

Wir wollen unserem Gehirn beibringen, den Schmerz wieder zu verlernen. Also so, wie es sich zu Beginn erst mal beigebracht hat, alle eigentlich ungefährlichen Signale als gefährliche Signale misszuinterpretieren, wollen wir nun unserem Gehirn helfen, nach und nach diese Fehlinterpretationen wieder zu korrigieren und die Signale richtig einzuschätzen.

Konkret wird dies mittels „Pain Reprocessing Therapy“ gemacht – dies bedeutet so viel wie „den Schmerz wieder neu aufbereiten“. Das wird mit Hilfe von Übungen wie ’somatic tracking‘ (dem somatischen Beobachten) und weiteren Übungen auch aus der kognitiven Verhaltenstherapie.

Diese Übungen findest du entweder bei ausgebildeten Psychotherapeuten (mit Fokus auf CBT und am Besten noch Schmerztherapie) oder aber in den tollen Apps und Onlineprogrammen, die ich dir hier vorgestellt habe: Deutsche Alternativen zur innovativen App Curable

Mehr hilfreiche Informationen zum Thema neuroplastischer Schmerz und wie du ihn mit Hilfe der Pain Reprocessing Therapy klein bekommst, findest du im Buch The Way Out


Quellen:

Boulder Back Pain Study: Mind Body Treatments for Chronic Back Pain – https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03294148

Buch von Alan Gordon and Alon Ziv: The Way Out

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2 Gedanken zu „Normaler Schmerz oder neuroplastischer Schmerz

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